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Teil 12 - Buntes Treiben in der fünften Jahreszeit



Fastnacht hieß früher Fasnacht oder Foselnacht, es kommt von dem Wort "Fasel" (gedeihen, fruchten). Die Bräuche an diesen Tagen sind nur in Verbindung mit Vorgängen in der Natur zu verstehen. Der Winter geht zu Ende; die Sonnenkraft mit Licht und Wärme kämpft mit ihm. Das Schlagen mit der Narrenpritsche bedeutet also das Austreiben des Winters.

Wie die Kirchweih, so dauerte die Fastnacht in den früheren Zeiten auf dem Lande nur drei Tage. Am Sonntag war der Herren, am Montag Bauern- und am Dienstag Narrenfastnacht.
Am Fastnachtsmontag wurde einst Hochzeit gehalten, hierzu erschienen gewöhnlich viele Masken, zugleich wurde auch ein Schlachtfest zubereitet, bei dem die Burschen ein Wurstschnappen veranstalteten. Manch Bursche hatte an der Wurst vorbeigeschnappt und erhielt dann von den Zuschauern den Namen "Hanswurst". Dieser Name ist heute noch im Volksmund gebräuchlich.

Ein sinnvoller Faschingsbrauch, der vor etwa 60 Jahren in einem Marktredwitzer Saal stattfand, war die "Altweibermühle". Die Burschen bauten ein Gestell und die Mädchen, als alte gebrechliche Weiber verkleidet, kletterten in die Mühle. Nachdem sie dort ihre Vermummung abgelegt hatten, erschienen sie am anderen Ende wieder in jugendlicher Schönheit. Dieser Brauch war eine sinnbildliche Darstellung: Der Beginn des neuen Lebens im Frühling. Ähnlich auch die Faschingsumzüge, die etwa um 1520 in den Dörfern stattfanden und auf das Begehen der Flur zurückführen, die der Saat Segen bringen sollte. Nun ein Sprung in das 19. Jahrhundert: Die Wirtschaft erkannte bald, dass "Die fünfte Jahreszeit" eine gute Einnahmequelle ist. So entstand ein Gewerbezweig, der das ganze Jahr mit Festen beschäftigt ist. Jetzt ist der Fasching an der Reihe. Die Faschingsgesellschaften sind vollbeschäftigt. Viele Vereine, Stammtische, Firmen und Hausgemeinschaften sind tätig, um am Samstag, 13. Februar, um 14 Uhr einen ulkigen Faschingszug auf die Beine zu stellen.
Der Beitrag im "Blick zurück" zeigt, dass Marktredwitz schon früher eine Hochburg für Faschingsumzüge war. Das erste Bild zeigt die Aufstellung am Vereinslokal "Gasthof Hindenburg", voran die bekannten Musiker und folgend mit Brille "Sepp Kastner", anschließend die Fußballmannschaften aus Griechenland und Schottland. Das zweite Bild zeigt die Kraußoldstraße (Kinderhort), Fußvolk aus Wackervereinsmitgliedern (Frau Lorenz) als Fußball.


Teil 12 (Original vom 3. Februar 1999),
Text und Bilder: Christof Müller
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