Teil 11 - Weihnachten vor 82 Jahren
82 Jahre mußten vergehen bis ich bemerkte, daß es zu dieser Zeit schon clevere Fotografen gab, die aus einer Ansichtskarte "Sommer am Rathauserker" für die Winter- und Weihnachtszeit eine neue Karte fabrizierten.
1. Vergleicht man die beiden Karten, so ist zu ersehen, daß unser Polizeiwachtmeister am Torbogendurchgang mindestens ein halbes Jahr hätte stillstehen müssen, bei Regen, Sonne und Kälte.
2. Der Fahrradfahrer würde das auch nicht so lange aushalten.
3. Das Fuhrwerk vor dem Café Riedl hätte bestimmt kein halbes Jahr zum Ent- oder Beladen gebraucht.
Also ergibt sich folgendes: 1 Tube Deckweis, 1 Pinsel Nummer 1, ruhige Hand und Talent, schon entsteht aus einer Sommerlandschaft ein winterliches Bild. Der Mann und das Kind werden noch schnell unsichtbar gemacht, zusätzlich mit Aufdruck "Herzliche Weihnachtsgrüße" versehen und so entstand eine Weihnachtskarte, die zu jener Zeit um 1916 (I. Weltkrieg) mit einem lieben Gruß aus der Heimat an die Front dem Empfänger eine Erinnerung von zu Hause vermittelte.
Nun zwei Bräuche aus der Adventszeit: Die Entstehung verschiedener Bräuche in der Adventszeit liegen schon weit zurück und werden in der jetzigen Zeit gar nicht mehr so beachtet in unserem schönen Fichtelgebirge. Am Barbaratag setzt man knospentragende Zweige eines Steinobstbaumes oder -strauches, der Kastanie, des Flieders in leicht erwärmtes Wasser unter Zugabe einiger Tropfen Salmiak oder etwas Kohle und einer kleinen Prise Salz zur Erhöhung der Lebensdauer der Blüte; wenn sie dann an Weihnachten im Blütenschmuck stehen, so erfreut diese köstliche Zierde am heiligen Abend nicht nur Auge und Herz, sondern auch innere Gefühle. Vielfach waren die Barbarazweige fürher die Vorboten, die segenbringenden Lebensbäume, sie hatten Glück in der Liebe und Zufriedenheit gebracht.
Ein weiterer Brauch ist: Während der Adventszeit finden die meisten Hausschlachtungen statt. Vermummte Gestalten kamen in die Bauernstube, wo die Wurstsuppe hergerichtet wurde, in den Händen hielten sie einen Henkeltopf und einen Kochlöffel. Sie klapperten mit dem Kochlöffel im Topf, tanzten lustig und singend umher, bekamen als Lohn einige Würste, Kraut und Fleisch, worauf die vermummten Gestalten dankend die Bauernstube wieder verließen.
Ein frohes Weihnachtsfest wünscht
Ihr Christof Müller
Teil 11 (Original vom 9. Dezember 1998),
Text und Bilder: Christof Müller
| zurück | weiter |








