Teil 7 - Schauergeschichten zum Jahreswechsel

Schon aus einem Protokollbuch des Redwitzer Gemeinderats im Jahre 1671 ist zu ersehen, daß der Bürgermeister und Gerichtsaktuar zum Jahresende einen frommen Vers in dieses Buch schrieb, der da lautet: "Gott hat das alte Jahr geendt und uns ein neues Jahr hergesendt. Er geb, daß wir in Fried und Ruh mit Gesundheit mögen bringen zu. Er woll erhalten jeder Zeit, geistlich und weltlich Obrigkeit, daß sie nicht Kriegsunruh erfahr, Herr bscher ein friedenreiches Jahr. Amen! Amen! Er werde wahr!"
Der Kantor und der Türmer hatten zu dieser Zeit sehr viel zu tun. Kantor und Chorknaben zogen bis zum Dreikönigstag durch unser Redwitz, sangen fromme Lieder, bekamen dafür Süßigkeiten, Obst und in den späteren Jahren auch Geld, es wurde für die Armen und Bedürftigen verwendet. Der Türmer blies am Neujahrstag mit seinen Gesellen und Lehrlingen auf dem Rundgang des Kirchturms jeweils nach den Himmelsrichtungen einen Choral. Um das Jahr 1866 wurde das Neujahrsblasen eingestellt und dafür konnte die Türmerkapelle einen Neujahrsball einführen, der 1902 vom Stadtmusikmeister Ponader zum Neujahrskonzert umgeändert und allgemein von den Bürgern begrüßt wurde. Um allen Bürgern recht zu tun, gibt es in jetziger Zeit sogar ein Neujahrs- und Dreikönigskonzert unter der Leitung von Erwin Jahreis.
In den langen Winternächten war es in früher Zeit auch Sitte, daß sich Freunde und Nachbarn bei einer Familie trafen und zum Zeitvertreib wurde viele Geschichten erzählt von alten Schlössern und Burgen, Irrlichtern und Gespenstern, die jungen Zuhörer spitzten die Ohren und manch einer kann sich noch heute an einige Erzählungen erinnern "wie diese vor hundert Jahren":
In der Neujahrsnacht zur zwölften Stunde soll man zum Kreuzweg gehen, der da führet gegen Morgen nach Korbersdorf, gegen Mittag nach Lorenzreuth, Abend nach Thölau und gegen Mitternacht nach Leutenberg. Man nehme einen Stock mit, schwinge ihn dreimal in der Luft und ziehe einen Kreis. Stelle sich in den Kreis und warte.
Er werden freudige und traurige Ereignisse vorüberziehen, die im folgenden Jahr stattfinden. Verlasse nicht den Kreis solange diese Voranzeigen dauern, sonst könnte dir ein Unheil geschehen. - Man muß nur daran glauben, ansonsten wäre alle Mühe umsonst, sprach vor 100 Jahren eine weise alte Frau, die in Lorenzreuth lebte.
Es wurde auch erzählt, daß ein Bauer mit ein paar Ochsen spät nachts nach Thiersheim ging. Als er an den erwähnten Kreuzweg kam, überfiel ihn ein großer Schreck, denn vor ihm überquerte mit donnerndem Geräusch und feurigen Augen etwas Übernatürliches den Weg. Trotz aller Mühe wollten die beiden Ochsen nicht einen Schritt weiter nach Thiersheim gehen. Der Bauer war gezwungen, umzukehren und in Lorenzreuth zu übernachten. Erst am darauffolgenden Tag waren die Ochsen gewillt, sich nach Thiersheim heimtreiben zu lassen.
Teil 7 (Original vom 13. Januar 1999), Text: Christof Müller,Bild: H.N.B. Die Türmer-Wohnküche
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